Ausgaben oder Abzocke…manchmal nahe beinander

Wenn man über die Vorteile und Nachteile vom Leben in Neuseeland spricht, wird man, mindestens als Deutscher, sehr schnell auf das Thema Geld und Lebenskosten kommen. Als Rucksackreisender bekommt man das meistens nur über Lebensmittelpreise und ggf. Unterkunftskosten mit, wenn man aber hier sesshaft wird, halleluja – da tun sich richtige (finanzielle) Abgründe auf. Warum das so ist? Peter von NZ2Go hat das in einem sehr guten Artikel, inklusive wirtschaftlichem Hintergrund, schon besser erklärt, daher lasse ich ihm dort den Vortritt. Ein paar dieser Abgründe will ich heute mal näher beleuchten, da man immer wieder von jungen Deutschen hört, denen der Lebensstil hier zusagt – die aber häufig nicht wissen, was kostentechnisch diesbezüglich los ist, sowohl beim Reisen, aber auch Bleiben. Tatsächlich glauben immer noch ein paar Leute, es wäre günstiger hier als in Mitteleuropa…leider nein.

Prepaid-Handyguthaben

Fangen wir mal mit einer der größten Sauereien an: Die Prepaid-Modelle der vier Mobilfunknetzanbieter (Spark, Vodafone, 2degrees, Skinny) in Neuseeland. Ich weiß nicht, wann das Modell umgestellt wurde, aber es muss irgendwann im Laufe des Jahres 2014 geschehen sein…jedenfalls war zuvor alles so, wie man es aus deutschen Landen kennt: Man kauft sich, sagen wir, 20 $ Guthaben und aktiviert dieses. Dann gibt’s unendlich gratis SMS-Nachrichten für einen Monat sowie 60 Freiminuten, und sobald der Monat herum ist oder die Minuten verbraucht sind, fängt man an, die 20 $ für SMS und Anrufe aufzubrauchen, bis diese dann schließlich erschöpft sind und man sich neues Guthaben anschaffen muss. Soweit, so gut.

Beim aktuellen Modell würde, denkt man sich die Godzone als EU-Mitglied, das Kartellamt vermutlich sofort Alarm schlagen und Untersuchungen einleiten. Man kaufe sich erneut 20 $ Guthaben, muss jetzt aber für die gleichen Konditionen wie oben (inklusive Datenguthaben – wenigstens) 19 $ im Voraus bezahlen, und dadurch aktiviert man wieder jene Boni (Freiminuten, unendlich viele SMS, Frei-Megabyte) nutzen…für 30 Tage. Nun schmieren einem die Anbieter Honig um dem Mund mit „Hey, wenn du dein Guthaben rechtzeitig erneuerst, werden verbleibende Megabyte und Freiminuten mit in den nächsten Monat(sabschnitt) übernommen!“, was erstmal anständig klingt (und vor der Umstellung auch der Fall war. Ähem.). Und jetzt der Knaller: Wenn man sich dagegen entscheidet, verfallen alle restlichen Boni und es bleibt einem das Guthaben. Simple Mathematik: 20 – 19 = 1 bescheidener Dollar, gerade genug für zwei kurze Anrufe, wenn überhaupt.

So haben es unsere neuseeländischen Freunde also geschafft, Prepaid-Nutzer zu Quasi-Vertragsnutzern zu machen, denn das Modell zwingt einen, jeden Monat zu bezahlen, da man ansonsten nichts mit seinem Handy machen kann (es sei denn, man nutzt seinen Schlaufernsprecher ausschließlich mit WLAN). Ich weiß nicht, ob man bei soviel geschäftlicher Raffinesse applaudieren oder die Firmen schnellstmöglich beim Verbraucherschutz anschwärzen sollte…wobei ich nicht weiß, ob es letzteren in Neuseeland gibt. Legal ist es jedenfalls, und Alternativen (außer kleinere Tarife mit weniger Leistung) gibt es nicht. Richtige Verträge kosten 50 $ aufwärts, was sicherlich für die meisten Kiwis in Ordnung ist und auch ungefähr deutschem Niveau entspricht; für Wenig-Handy-Nutzer und insbesondere Rucksackreisende, welche i. d. R. eher keinen Vertrag für ein halbes oder ein ganzes Jahr abschließen, ein Unding, oder klassisch neuseeländisch: „A pain in the arse!“

Mietpreise

Wer deutsche Mietpreise gewohnt ist, sollte sich in Neuseeland auf was gefasst machen. Nach englischer Tradition wird hier pro Woche, nicht pro Monat gezahlt; selbiges gilt übrigens auch für einen großen Teil an Löhnen. „Kalt-“ und „Warmmiete“ sind ein unbekanntes Konzept, man zahlt grundsätzlich nur den Wohnraum, alles andere ist extra. Was hat das zur Folge? Ich kannte zwei Personen, die unabhängig voneinander für ein Zimmer in einer WG 220 bzw. 230 $ pro Woche bezahlt haben – also sage und schreibe 880 bzw. 920 $ pro Monat. Letzteres Zimmer war vielleicht 7 m² groß, komplett ohne Möbel. Der Gute musste sich eine Matratze kaufen. Das sind zwei Beispiele aus Aucklands Innenstadt, die noch human (!) sind – erneut verweise ich auf Peters Blog und einen seiner Artikel, in denen er eine Tabelle mit Mietpreisen im Land zur Verfügung stellt. Etwas besser sieht es in weniger populären Regionen aus: In Rotorua haben meine Dame und ich 800 $ im Monat für ein möbliertes Doppelbettzimmer, inklusive Strom und Internet, gezahlt…fast schon ein Schnäppchen. Da wundert es einen nicht, wenn Leute lieber Immobilien kaufen: Die Hypothek abzuzahlen kostet monatlich, je nachdem wie der Kredit strukturiert ist, signifikant weniger, und man hat mehr davon. Nachteile: Schulden und zusätzliche Kosten wie z. B. Grundsteuern, wobei man meistens trotzdem billiger davonkommt. Das Ganze ist also kein Zuckerschlecken und bedarf längerer Überlegung, wenn Geld eine Rolle spielt.

Was noch?

Für deutsche Immigranten sind natürlich noch die Kosten für Visum usw. ein Angriff auf den Geldbeutel. Bewerbung für eine Überprüfung auf Eignung für ein Aufenthaltsvisum der „Skilled Migrant“-Kategorie: 510 $. Visumsantragkosten nach erfolgreicher Auswahl: 1810 $. Anerkennung des deutschen Universitätsabschlusses (mit Ausnahme von Diplomen und ein paar anderen „älteren“ Abschlüssen): 746 $. Entgelt für neue Immigranten nach erfolgreicher Bewerbung für ein Aufenthaltsvisum: 310 $. Dazu kommen Kosten für Übersetzungen, Porto wenn man außerhalb der Städte mit Zweigstellen der Einwanderungsbehörden wohnt, und, und, und. Vielleicht ist das ja so normal, da ich nicht weiß, wie sich das in anderen Ländern verhält, aber exzessiv kommt es mir definitiv vor. Auch andere Dienstleistungen schlagen meistens ordentlich zu Buche: So kostet ein PKW-Ölwechsel bei vielen Werkstätten selten unter 100 $, fügt man Bremsflüssigkeitswechsel und dergleichen hinzu, ist man gleich beim Doppelten, wahrscheinlich aber mehr. Generell lassen sich Blaukragen gut bezahlen im Land der langen, weißen Wolke.

Addendum: Ach ja, an die Leute, die noch Festnetztelefone zuhause haben: In NZ muss man extra zahlen, wenn die Nummer des Anrufers angezeigt werden soll. Kein Witz. Des Weiteren ist mir gestern ein alter Artikel der Rotorua Daily Post untergekommen, der perfekt hier reinpasst: 420 $ für’s Haare färben.

Zum Abschluss etwas positives: Nationale Busfahrten sind, sogar im Vergleich mit Europa, immer noch spottbillig. Vor einiger Zeit war ich für ein Wochenende in Auckland, Hin- und Rückfahrt für 13 $ (also ca. 8 €). Es gibt also Lichtblicke, auch wenn sie rar gesäht sind!

3 thoughts on “Ausgaben oder Abzocke…manchmal nahe beinander

  1. Peter

    Was Beschwerden wegen rip-offs angeht, kannst Du http://www.consumeraffairs.govt.nz/for-consumers/how-to-complain studieren.

    Der kniggerige Kiwi lässt sich einen schnellen Dollar eben nicht entgehen 🙁 … das gab es schon immer, es ist allerdings nicht dadurch besser geworden, dass inzwischen so viele Kiwis meinen ein Anrecht auf Geld ohne Arbeit zu haben, z.B. indem sie sich gegenseitig ihre Hütten zu fantastischen Wucherpreisen andrehen.

    Die derzeitigen Visagebühren hauen mich glatt um, danke für die Auflistung. Abzocke von Gröbsten. In Deutschland, übrigens, kenne ich Kiwis die studieren und praktisch für nichts Gebühren zahlen, weder für das Visum, noch fürs Studium selbst. Erzähl das Mal Deinen Mitbürgern – die werden Dir wahrscheinlich nicht glauben.

    Btw, zähl noch ein paar tausend Euro dazu für die ganzen Einwanderungsberater. Meine Meinung: wer die Papiere nicht ausfüllen kann, sollte auch nicht auswandern 🙂

    Um in NZ langfristig cool leben zu können braucht man heute GELD. Als ich 1989 das erste Mal strandete war das wirklich noch ganz anders. Ich hatte alles mögliche, nur kein Geld. Jaja, früher was alles besser – nein, nicht alles, aber so ganz einfach vor sich hinleben, das ging. Wir hatten Freiheit. Oh je …

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    1. henning Post author

      Hallo Peter,

      auf der Consumer Affairs-Webseite bin ich letztes Jahr schonmal irgendwie durch Zufall, aber nicht gezielt gelandet – danke für den Link, gut zu wissen, dass es hier so etwas gibt.

      1989…ich bin zu spät geboren, ich sag’s immer wieder!

      Einwanderungsberater sind auch ein Thema für sich. Wir haben keinen genutzt, was kein Problem war (und nicht schwer wenn man Englisch kann) – eine flüchtige Bekannte meiner Dame hat 10000 $ (!!!) insgesamt an einen Berater gezahlt, um schließlich ihr Residence Visa zu bekommen. Da fällt mir nichts mehr ein, für das Geld könnte man in Südostasien schön ein halbes Jahr Urlaub machen und immer noch was übrig haben.

      Ich werde den Beitrag gleich aktualisieren, da ich gestern einen “schönen” Artikel gefunden habe, der zum Thema passt.

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      1. Peter

        Ich habe gehört, dass man bei den “Einwanderungsberatern” locker 3000 Euro loswird, auch bei Standardfällen. Und der Clou ist, die schicken einen gleich weiter zum “Versicherungsberater”, der sich dann weiter um die Leute kümmert … muss ein gutes Geschäft sein, wenn man als Dampfplauderer begabt ist.

        Zu meiner Zeit gab es gar keine Berater. Früher war eben alles besser 🙂

        Warst Du eigentlich schon Mal in NZ beim Zahnarzt? Dann mach Dich auf was gefasst …

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